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Richtfest für experimentelle Bauten

Richtfest beim Pavillon mit OB Lang, Aufsichtsrat, Handwerkern. Foto: LGS Wangen/Tarja Prüss

Wenn das keine guten Omen für den Aussichtsturm und den Landkreispavillon auf dem Landesgartenschaugelände in Wangen im Allgäu sind: Zweimal haben Zimmerleute am Montag ihren Richtspruch ausgerufen, zweimal zersprang das Glas in Scherben. So können die beiden experimentellen Bauten im Park der Landesgartenschau vollendet werden und nach der Tradition einer guten Zukunft entgegensehen.

„Der Aussichtsturm ist ein Projekt der Zukunft“, sagte Wangens Oberbürgermeister Michael Lang vor den versammelten Gästen. Er bezog sich dabei nicht allein auf die Forschung, die an diesem Bauwerk gemacht wird. „Dieser Aussichtsturm soll die Menschen auch in Zukunft faszinieren und an die Landesgartenschau 2024 erinnern“, sagte er.

Er dankte allen, die in den vergangenen Monaten und gerade jetzt kurz vor Beginn der Landesgartenschau am 26. April 2024 ihr volles Engagement für die Fertigstellung des Turms aus nur 12 Zentimeter dünnen, durch Trocknung geformten Holzplatten eingebracht haben. Es sei wie bei einem Leiterspiel der Kinder, wenn man ein solches Gebäude in Angriff nehme: Man plane und experimentiere und müsse immer wieder Rückschläge in Kauf nehmen, um irgendwann am Ziel anzukommen. Dieses Durchhaltevermögen hat die Universität Stuttgart, gemeinsam mit den am Bau beteiligten Betrieben und dem Projektleiter bei der Landesgartenschau Hubert Messmer bewiesen.

Richtfest beim Aussichtsturm. Foto: LGS Wangen/Tarja Prüss

Während in der Karwoche die Verkleidung an den Turm angebracht wird, wird gleichzeitig die stählerne Hilfskonstruktion aus dem Inneren herausgeholt. Sie macht Platz für die Wendeltreppe, die in mehreren Teilen von der Firma Biedenkapp eingebaut wird. Im Wortsinn tragende Rollen haben auch die Firmen Fischbach beim Fundament und Weber bei der Planung der Statik übernommen. Alle drei Unternehmen arbeiten in Wangen. Die einzigartige Holzkonstruktion ermöglichte die Schreinerei Blumer-Lehmann in Gossau in der Schweiz.

Der Projektleiter bei Blumer-Lehmann, David Riggenbach, dankte der Stadt Wangen und der Landesgartenschau für den Mut und die Bereitschaft, das Risiko für so einen einzigartigen Bau einzugehen. Als Team hätten alle Beteiligten gemeinsam den Lösungsweg gefunden, der jetzt auf der Anhöhe zwischen Schönbühl und Argenwiese zu sehen ist und mit Beginn der Landesgartenschau auch zu besteigen sein wird.

Turm. Foto: LGS Wangen/Fabienne Bettschen

Stufen für die Zukunft

Ermöglichen wird der Aussichtsturm den Blick in die Allgäuer Bergwelt vom Nebelhorn über den Hochgrat bis zum Schweizer Säntis. Wer die Begeisterung für den Turm teilt, kann sie öffentlich kundtun und Turmpate werden. 113 Stufen stehen zur Verfügung, die auf die Höhe von 22 Metern hinaufführen. Wer eine Patenschaft für eine halbe oder ganze Stufe übernimmt, setzt dafür entweder 200 oder 400 Euro ein. Egal, ob als Einzelperson, als Familie oder als Verein, mit einer Patenschaft werden die Namen auf einem Metallschild eingraviert, das an einer der Stufen angebracht wird. Zusätzlich werden alle Paten auf einer Übersichtstafel erwähnt und erhalten eine exklusive Führung über das LGS-Gelände.  Mit Familie Peter und Ulrike Schnitzer gibt es bereits eine Familie, die mitsamt ihren Kinder Caroline, Martin und Julius eine solche Patenschaft übernommen hat. Gemeinsam sei die Familie von Beginn großer Fan des Turms gewesen, sagte OB Lang.

Dank an alle Unterstützer

Er dankte allen Unterstützern wie dem Gemeinderat, dem Landkreis Ravensburg sowie dem Vorstand der Kreissparkasse Ravensburg, Andreas Middelberg, und dem Land Baden-Württemberg. Gleichzeitig erinnerte OB Lang daran, dass der Turm zeitweilig in der Bürgerschaft umstritten gewesen sei. Er habe alle in respektvoller Erinnerung, die eine andere Meinung vertreten hätten. Dass der Turm heute 22 Meter und nicht 27 Meter hoch und unterhalb des Schönbühl stehe, sei Ergebnis des Diskussionsprozesses.

Turm und Pavillon. Foto: LGS Wangen/Tarja Prüss
Turm und Pavillon. Foto: LGS Wangen/Tarja Prüss

Experimentelles Bauen mit Holz und Naturfasern

Im zweiten Zukunftsgebäude auf der Argenwiese ist der Landkreis Ravensburg einer der Hausherren während des Gartenschau-Sommers. Er zeigt dort die Vielfalt, die der Landkreis bietet. Unter anderem wird ein großer Tisch mit 40 Stühlen aus allen Städten und Gemeinden einladen, diese Vielfalt zu erfahren.

Die ungewöhnliche Form des Pavillons wird durch die von Flachsfasern gestützte Holzkonstruktion erreicht, aus deren Mitte ein Baum wächst. Auch hier ist die Universität Stuttgart forschend tätig. Ermöglicht wird der Bau durch den Sachverstand der Zimmerleute von Sterk in Bodnegg sowie HA-CO in Wallerstein, das für gewöhnlich mit Carbon und nicht mit Naturfasern arbeitet. Die Fenster, von denen keines die Form eines anderen hat, kommen aus der Oberpfalz von der Firma Forster, die Stahlstützen von Biedenkapp in Wangen. An diesem Projekt könne man sehen, was Forschung heißt: planen, entwickeln und umsetzen in einem, sagte OB Lang. Das Gebäude sei komplett computerbasiert geplant und ausgeführt. Um es an möglichst vielen Monaten im Jahr nutzen zu können, wird es mit Geothermie beheizt. Welches die Nutzung nach der Landesgartenschau sein wird, muss sich noch zeigen. Ideen gibt es bereits.

Simon Sterk mit Kollegen beim Richtspruch. Foto: LGS Wangen / Tarja Prüss
Simon Sterk mit Kollegen beim Richtspruch.

Ein Kunstwerk aus Holz und Flachs

„Gartenschauen sind immer auch Orte für experimentelles Bauen. Wenn nicht, wo sonst wäre es möglich“, sagte OB Lang. So lobten denn auch die Zimmerleute, es sei ein Kunstwerk geschaffen worden. Für die passende Umrahmung der Feier sorgten vier Alphornbläser aus Leupolz. Einer von ihnen ist Gerald Fischbach, Chef des gleichnamigen Bauunternehmens.

Richtfest beim Holz-Naturfaser-Pavillon. Foto: LGS Wangen/T. Prüss

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