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10 Schaugärten als Zukunftsgärten

Rosen am Zaun ©Tarja Prüss

Atemberaubende Schaugärten

Die Schaugärten des Verbandes Garten- und Landschaftsbau (VGL) sind echte Glanzstü­cke der Gartenbaukunst. Wenn Sie sich Ideen für Ihren Garten holen wollen, sind diese Gär­ten und Anlagen ein Muss und eine Attraktion. Zehn völlig verschiedene Gartenanlagen werden die Mitglieder des VGL anlegen: Beim einen steht die Lehre des Feng-Shui im Mit­telpunkt, beim anderen spielt das Thema der Wiederverwertung von vorhandenen Materialien die Hauptrolle, beim nächsten die Ver­meidung von klimaschädlichem CO2.

Weil die Sommer immer wärmer werden und auch ins Freie locken, gibt es einen Firmengarten, in dem Mitarbeiter ein inspirierendes Umfeld finden sollen. Und natürlich gibt es auch den naturnahen Garten. Kein Garten gleicht dem anderen, obwohl viele einen Teich oder eine Wasserfläche einbauen, Schatten spendende Pergolen über Sitzplätzen aufstellen, Grillstellen anbieten und Steine oder Mauern als Sitzgelegenheiten nutzen. Im April 2023 war offiziell Spatenstich für die zehn Schaugärten.

Schaugärten im Entstehen ©Landesgartenschau Wangen/Reinhard Goos

Naturnah – nachhaltig – nutzbar

Im Sportpark bezaubern zehn außergerwöhnliche Gartenideen mit klimafitten Konzepten. Themen, die immer dringlicher werden: Entsiegelung, Regenwassermanagement, Recycling, Ressourcenschonung, trockenheitsverträgliche Pflanzungen, Klimabäume und Photovoltaik – und zwar ohne, dass das große Gartenvergnügen geschmälert wird.

Recyceln statt Verschwenden

Auf einem aus Recyclingmaterialien entstandenen Hügel lädt ein gepflasterter Platz aus gebrauchtem Naturstein zu einer hintergründigen Pause ein. Mehrere neu gepflanzte große Bäume – sogenannte klimafitte Exemplare – spenden Schatten und fühlen sich sichtlich wohl hier im Allgäu zwischen der heimischen Kräuterwiese. Über einen Glasboden eröffnet sich ein Schaufenster in die Tiefe. Es erschließt den Blick nach unten in das verwendete Recyclingmaterial. Im urbanen Erdreich geht es meist sehr technisch zu, um neu gepflanzten Bäumen ein möglichst langes Leben in der Stadt zu sichern. Denn den natürlichen Standort gibt es dort nicht mehr. Bewässerung, Entwässerung, Baumsubstrate, Unterflurverankerungen und Belüftung helfen, den künstlichen Standort, auch als Baumquartier bezeichnet, der Natur nachzuempfinden, um den Wurzeln den Lebensraum zu sichern. Die Firma Zwisler aus Tettnang legt sehr viel Wert auf die Verwendung hochwertiger Recyclingbaustoffe im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Das funktioniert auch im Garten- und Landschaftsbau, wie das satte Grün der Klimabäume zeigt.

Modern trifft Natur

Dieser Wohlfühlpark von Schmid´s Garten aus Weitnau steht für Leichtigkeit: Wasser, unterschiedlichste Pflanzungen, sonnige und schattige Bereiche, ein Naturpool, eine Holzterrasse mit gläsernem Wintergarten und lauschige Plätze unter Klimabäumen. Hier lässt es sich mit Freunden oder Nachbarn an heißen Sommertagen gemütlich plauschen und entspannen. Ein mit duftenden Kräutern und farbenfrohen Stauden bepflanztes Hochbeet rahmt den Platz idyllisch ein. Eine sehr geschützte Atmosphäre entsteht durch eine eine hohe Hecke, die unter anderem mit Natursteinstelen optisch aufgelockert wird. Energetisch ist der Garten unabhängig – dank einer Photovoltaikanlage auf dem begrünten Dach des Wintergartens.

Drei Stationen des Glücks

Die Zahl drei spielt eine wichtige Rolle im Sein der Menschen: Die drei Nornen, die Dreifaltigkeit, Körper, Geist und Seele, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, weshalb die Gäste im Garten der Firma Form & Pflanze aus Leutkirch auch drei Stationen des Glücks vorfinden. Der Zugang erfolgt über verschiedene Wegbeläge, welche die fünf Grundelemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser, die zur Lehre der chinesischen Philosophie gehören, symbolisieren. Dann betritt man die erste Station des Glücks, eine luftige Pergola, wild umrankt von rosa blühenden, sich spiralförmig emporklimmenden und die Verflechtungen des Lebens darstellenden Clematis. Der japanischen Gartenkunst nachempfunden, schließt sich ein Weg aus Trittsteinen über Wasserpflanzen und Moose an. Hier lassen sich zahlreiche liebevolle Details für kleine Glücksmomente entdecken. Im eigenen Glück zur Ruhe kommen, erlaubt eine Bank unter dem Schirm einer Japanischen Zelkove. Verwurzelt auf Erden und gleichzeitig mit den eigenen Visionen – wie die Äste des Baums – in den Himmel strebend, so fühlt sich dieser Sitzplatz an. Eine lebendige Staudenpflanzung umrahmt die gesamte Gestaltung mit bunten Blütenfarben und verzaubert mit purem Gartenglück.

Schaugärten im Entstehen ©Landesgartenschau Wangen/Reinhard Goos
Die Schaugärten wachsen und gedeihen ©Landesgartenschau Wangen/Reinhard Goos

Klimazone

Umweltschutz besteht für die Firma Köhle aus Bad Schussenried aus Naturschutz, Hochwasserschutz und Klimaschutz. Alle diese Aspekte sind beim Bau dieser grünen Oase berücksichtigt, die ohne ein Gramm Beton und mit minimalem C02-Verbrauch erstellt wurde. ,,Florafront“, Köhles patentiertes Fassadenbegrünungs-System für jegliche Gebäudewand, lässt die kühlenden Pflanzflächen gekonnt in die Vertikale wachsen. Aus regionalen Baustoffen als Schwammgarten gebaut, saugt diese Gestaltung den kompletten Niederschlag auf, verdunstet das Wasser über die Pflanzungen und versickert die Reste ins Grund-wasser. Die heimische, naturnahe Pflanzenauswahl reduziert den Pflegeaufwand stark. Im Schatten vor dem „Weiden-Jungle“ lassen sich auch heiße Sommertage an der Familientafel neben der Bocciabahn im Kühlen verbringen. Bienenfreundliche Stauden sowie ein Gemüse- und Kräuterhochbeet für gesunde Nahrungsmittel ergänzen das üppige Wachstum hinter hohen Hecken. Bewusst gesetzte Akzente sind überdimensionierte Pflanzkübel aus der Köhle-Orangerie sowie ein begrüntes Piaggio. Die Bündelung dieser Maßnahmen führt zu einer negativen C02-Bilanz und somit trägt dieser Garten aktiv zur Treibhausgasreduktion bei – völlig ohne Greenwashing.

Spurwechsel ins Grüne

Im Schaugarten von Gartengestaltung Gropper aus Waldburg vollzieht sich augenscheinlich die natürliche Erneuerung: Sobald man Mutter Natur freie Hand lässt, übernimmt sie das Regiment. Gegen die Kraft der Pflanzen ist nicht mal Asphalt gewappnet, wenn ein Sämling beschließt, aus der kleinsten Ritze zu einem stattlichen Gehölz aufzustreben. Die natürliche Entsiegelung nimmt in dieser Gestaltung ihren Lauf und geht sukzessive in einen blühenden Garten über. Die Power der Natur verliert sinnbildlich ein Anhänger von seiner Pritsche. Sofort formiert sich eine wunderschöne Gartenlandschaft und gebietet dem Raubzug gegen die Natur durch Versiegelung und Schottergärten Einhalt. Die Natur hat sehr viel mehr zu bieten als monotone Rasenflächen. In ihr verbergen sich unzählige Formen, Farben und Funktionen die gemeinsam einen Kreislauf bilden. In diesem Garten lässt sich mit allen Sinnen der Unterschied zwischen unseren urbanen versiegelten Räumen und einer naturnahen Gestaltung erspüren. Magische Eimer sollen dem Betrachter vermitteln, was gewünscht ist und was nicht. Diese Herausforderung nimmt das Gropper-Team mit seiner grünen Leidenschaft an, um die Schönheit der Natur für viele nachfolgende Generationen zu erhalten.

Schaugärten des VGL im Entstehungsprozess - Luftaufnahme ©Landesgartenschau Wangen/Fabienne Bettschen
Schaugärten des VGL im Entstehungsprozess

Der Baustellen-Garten

Live erlebbare landschaftsgärtnerische Expertise zeigt die Fritz Müller GmbH aus Weingarten, denn an diesem Garten wird während der Gartenschau weitergebaut. Die Schaugarten-Baustelle lässt die Gäste miterleben, wie unglaublich vielseitig die Dienstleistungen im Garten- und Landschaftsbau sind. Für die Jüngsten gibt es einen Sandspielbereich mit Schaufeln, Förmchen und Sandbaggern – denn früh übt sich, wer eine Landschaftsgärtnerin oder ein Landschaftsgärtner werden will. Ein berankter Laubengang bietet mit seinem lichten Schatten einen idealen Aufenthaltsort, um das Geschehen auf der Gartenbaustelle vom Paletten-Sofa aus zu beobachten. Wiederverwertung, Upcycling und Nachhaltigkeit prägen die Materialauswahl. Die Baustoffe stammen entweder aus der Region oder bekommen hier einen zweiten Verwendungszweck zugewiesen. Ausgediente Baustellenelemente wie Warnbacken und Werkzeuge dienen als Rankgerüste oder werden, wie ein Minibagger und alte Schubkarren, als Pflanzgefäße genutzt. Dabei erinnert die Pflanzenauswahl an die Spontanvegetation einer Baubrache und ist robust sowie trockenheitsverträglich. Das orangefarbene Blütenkonzept passt dabei perfekt zum Farbschema der Baustelle.

Atempause

Das leise Rascheln der Blätter umfängt einen zusammen mit Vogelgezwitscher im dichten Laubmischwald auf einem Holzsteg, der tiefer hinein in die Klänge des Waldes führt. Die Unterpflanzung aus schattenliebenden Stauden betont den Waldcharakter und leiten im Zickzack vorbei an Allgäuer Findlingen und Holzstämmen bis zur Lichtung. Nach diesem kleinen Waldbad umfängt den mittlerweile tiefenentspannten Besucher ein idyllisch mit Naturstein gepflasterter Platz unter einer berankten Pergola. Von hier führt eine Tür zur fiktiven Firma – die durch einen Pavillon dargestellt ist – und somit in den hektischen Alltag. Doch in jeder Pause lässt es sich wieder eintauchen, in den Mischwald oder in die Lounge-Sessel auf der Lichtung, die den Blick auf den Naturteich freigeben. Hier ermöglichen große Findlinge die Füße ins kühlende Nass zu strecken und dabei die Natur zu beobachten. Die natürliche Bepflanzung filtert ganz nebenbei das Wasser durch ein ausgeklügeltes System und dient Insekten als Nahrungsquelle und Lebensraum. Ein Sichtschutz aus Schwarten-holzbretter umfängt Lichtung und Teich und sorgt so für die notwendige Intimität einer intensiven Atempause im Garten der Heimenkircher Firma Herrhammer, Gärtner von Eden.

Schaugärten im Entstehen ©Landesgartenschau Wangen/Reinhard Goos

Garten Déjà-vu

Seltsam vertraut, eben wie in einem Deja Vu, wirken die Materialien in diesem Garten der Firma Kappler aus Wangen. Das Augenmerk dieser Gestaltung liegt darauf, Möglichkeiten für ästhetisches Recycling aufzuzeigen. Denn sowohl die riesigen Großformatplatten als auch die formalen Sitzbänke in unterschiedlicher Länge bestehen aus recycelten Baustoffen, die hier ein zweites Leben bekommen. Die gestrahlte Oberfläche macht das Recyclingkorn gewollt sichtbar. Die Tragschicht der wassergebundenen Wegedecke besteht aus Recyclingschotter, das Holzdeck aus heimischem Hartholz. Unter dem mehrstämmigen Solitärgehölz lässt es sich auf diesem schlichten Freisitz in bunten Kissen, zwischen satten grünen Fugen und vorbeiziehenden Wolken am Himmel wunderbar relaxen und das auch noch mit einem guten Umweltgewissen. Wippende Gräser und farbenfrohe trockenheitsresistente Stauden versorgen Mensch und Tier mit guter Laune, ganz ohne Bewässerung. Das wasserspeichernde recycelte Ziegelsubstrat bietet hierfür eine gute Basis. Eine hohe Hainbuchenhecke fasst die Gartensituation idyllisch ein, eckige Säulengehölze bilden einen launigen Gegenpart zur Lockerheit der Staudenbepftanzung.

Blickwinkel

Eine spannende Raumgliederung im Garten schafft eine Vielzahl an unterschiedlichsten Blickwinkeln und somit jede Menge Abwechslung mit unterschiedlichsten Szenerien, wie diese Gestaltung der Firma Kappler, aus Wangen aufzeigt. Die ausgeklügelte Wegedynamik, gebaut aus fränkischem Muschelkalk, führt zu verschiedenen Orten und sorgt für optische Überraschungen. Versetzt angeordnete Holzbänke lassen bei der Verschnaufpause in verschiedene Richtungen blicken. Solitärgehölze und blühende Staudenpflanzungen ziehen mit dem Schauspiel der Natur, das die bunten Blüten zusammen mit Bienen, Insekten und Schmetterlingen bieten, die Aufmerksamkeit auf sich. Bereits beim Betreten des Gartens nimmt der Betrachtende den eingewachsenen Staketenzaun aus Flachstahl inmitten des Blütenzaubers wahr. Highlight fürs Auge ist am Ende des Weges das handgefertigte Hochbeet aus fein bearbeitetem Muschelkalk, das sich von der beschatteten Pergola in aller Ruhe betrachten lässt. Das gegenüberliegende Wasserbecken mit Überlauf spiegelt gekonnt die Umgebung in umgekehrter Perspektive als optische Horizonterweiterung.

Der Garten als Teil der Natur

Fließende Übergänge in die umgebende Landschaft mit Allgäuer Wiesen und natürliche Kreisläufe stehen für die Helmut Haas GmbH aus Wangen ganz im Mittelpunkt ihrer Gestaltung. So erhalten die Belagsflächen breite Fugen, die das Regenwasser versickern und Refugium für trittfeste Bodendecker sind. Wie die negativen Folgen der Versiegelung durch Bebauung abgemildert werden kann, zeigt eine Dachbegrünung mit Photovoltaik-Anlage, deren Überschusswasser in eine artenreich bepflanzte Sickermulde abfließt. Eine Anhügelung im Wiesengelände macht dieses durchdachte Regenwassermanagement für Besucher von oben erlebbar und zeigt eine schlanke, das Dach durchbrechende Linde, welche Garten und Natur in der dritten Dimension verbindet. Der glasklare Schwimmteich mit biologischer Reinigung bietet im Flachwasserbereich Blütenreichtum und Verstecke für die Teichfauna, aber auch für Insekten, Vögel und weitere Gartennutzer. An heißen Tagen verdunstet das Wasser, sorgt so für ein angenehmes Mikroklima und wird durch Regengüsse wieder aufgefüllt. Am Holzdeck lässt es sich zwischen bunten Stauden herrlich entspannen. Für Schatten sorgen weitere ausgewählte Gehölze, wie der trockenheitsverträgliche Klimabaum im Heckenwinkel und der robuste Obstbaum, der die Gäste begrüßt.

Die Ess-Bar – zum Futtern gern

Eine hohe Aufenthaltsqualität mit attraktiven Blickbeziehungen ist ein wesentliches Merkmal für die naturnahen Hausgärten von Pia Präger, Gartengestaltung in Argenbühl-Eglofstal. Wie das aussehen kann, zeigt dieser Schaugarten, in welchem dem Regenwassermanagement mit wenig versiegelten Flächen, einem Gründach auf dem Gartenhaus sowie einer Sumpfzone für das Überschusswasser Rechnung getragen wird. Heimisch, essbar, heilend, gesundheitsfördernd oder anderweitig verwendbar, so lauteten die Auswahlkriterien für die vielfältige Bepflanzung. Zugleich dient diese als Nahrung für Vögel oder ist Nektar- und Pollen-Bar für Insekten.

Trockenmauern, Totholz, Benjes Hecken, offene Bodenstrukturen, Trocken­ sowie Feuchtbereiche fördern in diesem Garten ganz bewusst die Biodiversität, denn diese Details bieten vielen Tierarten wertvollen Lebensraum. Ein besonderer Blickfang ist das Zusammenspiel von Rorschacher Sandstein mit wiederverwerteten Baustoffen als einfassende Sitzmauer des Pflanzhügels. Die versickerungsfähigen Wege aus wassergebundener Decke oder Patchwork­ Pflaster mit breiten Fugen führen den aufmerksam Betrachtenden an unzähligen wunderschönen Details wie beispielsweise der Feuerstelle vorbei.

Grafik Blumen, auf der Menschen laufen, tanzen, spielen ©Landesgartenschau Wangen im Allgäu 2024

Gärten, in denen es grünt und blüht

Etwas anders ausgerichtet, aber nicht weniger at­traktiv sind die Schaugärten der Gartenfreunde und des Landesverbands für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg. Unter der Bahnbrücke durch und dann links sind sie zu fin­den. Traumhaft schöne Kleingärten, in denen es grünt und blüht – und in denen auch Obst und Gemüse gedeihen. Wer sich dort umschaut, geht ganz sicher mit vielen Ideen und nützlichen Tipps der Fachleute für Kleingartenanlagen nach Hause.

Gewächshäuser auch für Minigärten

Wer früh im Jahr schon ernten möchte oder für Allgäuer Winter eher „schwierige“ Pflanzen liebt, kommt nicht ohne Gewächshaus aus. Schön, dass es hier in Wangen einen Spezialisten für die­ses Thema gibt. Die Firma Beckmann wird im 51. Jahr ihres Bestehens in einem eigenen Garten zeigen, was Gewächshäuser können und wie sie sich in einen Garten optisch und praktisch einfügen – und das auch auf kleinen Flächen, denn selbst für Minigärten gibt es maßge­schneiderte Lösungen.